Gegenstandslose Gegenstände: der Konstruktivismus

Den Konstruktivismus macht vor allem aus, dass er gegenstandslos ist, was aber nicht bedeutet dass es in dieser Kunstrichtung keine Gegenstände gibt. Vielmehr sind keine konkreten Gegenstände zu finden, sondern auf das absolute Minimum reduzierte einfache geometrische Formen wie das Quadrat und das Rechteck, seltener Dreiecke. Der Unterschied zur abstrakten Kunst ist hier, dass man nicht von einem Gegenstand ausgehend abstrahiert, sondern mit der Geometrie und der Mathematik beginnt, um Formen und Strukturen zu schaffen.

Die Beginne dieser Kunstform liegen in der Russischen Avantgarde, die ihre Hochzeit um 19000 hatten. Zur gleichen Zeit formten sich Dadaismus und Futurismus. Alle formulierten einen radikal neuen Ansatz von Kunst, nämlich die Loslösung vom Gegenständlichen und die Reduzierung auf Formeln oder – wie im Dadaismus – gar des Zufalls.

So ist es auch ein Wunder, dass die Architektur von Konstruktivisten verehrt wird. Viele berühmte Künstler aus diesem Genre haben sich auch als Architekten versucht. 2013 wurde sogar ein Dokumentarfilm über Konstruktivismus in der Architektur gedreht. Eher bekannt sind aber Gemälde, ganz vorne das schwarze Quadrat auf weißem Grund von Kasimir Malewitsch, der auch den Suprematismus begründete. Was dieses Genre für den Betrachter so verwirrend macht, ist neben seiner Klarheit das Fehlen jeder Perspektive. Das bedeutet nicht, dass es keine dreidimensionalen Objekte oder gar Malereien gibt, aber sie haben nicht die Tiefe eines naturalistischen Bildes. Vielmehr dient hier die Dreidimensionalität als Ausdruck der Form, in seiner mathematischen Bedeutung.download-8

Man darf den Konstruktivismus auch nicht mit dem Kubismus verwechseln. Letzterer versucht Gegenstände, Tiere und Menschen in geometrische Formen, eben Quadrate und Kuben zu bringen. Der Konstruktivismus hingegen sieht das Quadrat an sich schon als vollkommen an und die Geometrie als die einzige Basis zur Gestaltung.

Auch wenn diese Kunstrichtung vor allem in Russland und den Niederlanden berühmt war, fanden sich auch deutsche Künstler wie Günter Neusel oder Rudolf Jahns unter ihnen. Heute haben alle bekannten Museen Werke aus dieser Kunstperiode in ihren Sammlungen